Wie machen wir den Besuch im Museum wieder interessant?

Ist die Fokussierung auf Kulturvermittlung die Lösung?


Viele Museen haben bereits erkannt, dass mehr nötig ist, als kostbare Schätze aus Kunst und Kultur zu pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um Besucher anzuziehen und zu begeistern. So werden heute in Museen mit unterschiedlichsten Sammlungsschwerpunkten Familientage veranstaltet oder Ausstellungen gemeinsam mit Schülern geplant. Auch die diesjährige Verleihung des ersten Deutschen Preises für institutionelle Kulturvermittlung “ZukunftsGut” ist ein Anzeichen dafür, dass längst ein Wandel eingesetzt hat. So setzten sich nicht nur Künstlerinnen und Künstler sowie Ausstellungshäuser mit der Veränderung und dem Fortschritt unserer Lebenswelt durch die neuen Technologien auseinander und beziehen diese in ihre Arbeiten ein, sondern sollten auch die eigene Zukunft und Entwicklungsmöglichkeiten in den Fokus nehmen. Ein Mangel an interessanten Thematiken und Ausstellungen lässt sich die Kunst- und Kulturszene sicher nicht vorwerfen.

Dennoch zeigen die Untersuchungen des Instituts für Museumsforschung, dass jedes Jahr insgesamt weniger Besucher in deutschen Museen und Sehenswürdigkeiten begrüßt werden. Nur einigen wenigen Einrichtungen gelingt es mehr Besucher anzulocken.

 

Der erste deutsche Preis für institutionelle Kulturvermittlung “ZukunftsGut”


Die Intention der Commerzbank-Stiftung war es, mit dem 2018 erstmals verliehenen Preis “ZukunftsGut” die innovativsten Ideen und Konzepte institutioneller Kulturvermittlung zu ehren und zu fördern. Die sorgfältig ausgewählte Jury bestand aus FachwissenschaftlerInnen, GeschäftsführerInnen von bedeutenden kulturellen Vereinigungen, dem Koordinator des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 in Deutschland, dem Generaldirektor des Metropolitan Museum New York und Mitgliedern der Commerzbank-Stiftung.

Im September 2018 wurde der Preis an das Schauspielhaus Dresden ausgelobt. Außerdem wurden das Historische Museum Frankfurt und das Theater Oberhausen überraschend mit einem kurzerhand eingerichteten zweiten und dritten Platz ausgezeichnet.

 

Was macht die Preisträger aus?


Um dem auf die Spur zu gehen, schauen wir uns die drei ausgewählten Einrichtungen des Preises für institutionelle Kulturvermittlung “ZukunftsGut” der Commerzbank Stiftung einmal näher an:

Das Schauspielhaus Dresden wurde von der Jury mit dem ersten Platz geehrt, da es sich dem Urteil der Jury nach mit seinen Bürgerbühnen am sichersten im Spannungsfeld von Bewahrung und zeitgemäßer Darstellung bewege.

Die Bürgerbühne ist ein vom Schauspielhaus entwickeltes Konzept, dessen grundlegendes Element die Zusammenarbeit mit der Stadtgesellschaft ist. Die Bürgerinnen und Bürger bearbeiten Themen, die sie mit theatralen Mitteln bewegen und sie regelmäßig auf der großen Bühne des Hauses zeigen. Die dabei entstehenden Produktionen sind dabei fester Bestandteil des Spielplans. Die Jury sah darin ein Höchstmaß an Beteiligung des Publikums. Andere Theater in Deutschland haben die Idee der Bürgerbühne bereits aufgegriffen.

Für seine, die Besucher einbeziehende Strategie wurde das Historische Museum Frankfurt mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Mit Programmen wie dem Stadtlabor oder dem Sammlungs-Check zeige das Museum seinen Sinn für lebensnahe Kulturvermittlung. Frankfurter Stadtgeschichte wird für die Besucher greifbar gemacht.

Den dritten Platz belegte das Theater Oberhausen, welches wiederum eine Vielzahl von gesellschaftlichen Gruppen in seine Produktionen und Aktionen einbezieht. Was hier bei der Aufgabe der Kulturvermittlung auch besonders ist: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unabhängig der Zuständigkeiten, bringen ihr Ideen und Erfahrung mit ein.

Das Interagieren und Miteinbeziehen seiner Besucher in die Arbeit des Hauses sind derzeit beliebte und durchaus wirkungsvolle Ansätze.

 

Fotografieren verboten! Aber warum?


Dem entgegen steht das in vielen Museen herrschende Fotografierverbot, was auch bei einigen Besuchern auf völliges Unverständnis trifft. Eine aktuelle Diskussion bei Twitter an der sich auch das Museum Burg Posterstein beteiligte, zeigte schnell, dass dieses Verbot aus verschiedensten Ursachen gut begründet sein kann oder eben nur willkürlich verhängt wird. Doch die meisten Museen sprechen das Verbot ohne Erklärung aus und lassen damit beim Besucher die Frage nach einer Begründung gänzlich offen.

Dabei gibt es in einigen Fällen unbestreitbar sehr gute für jeden Besucher nachvollziehbare Gründe für ein Verbot des Fotografierens, wie z. B. die Gefahr der Beschädigung von Kunstgegenständen durch den Blitz oder die mögliche Verletzung von Urheberrechten. Diese Erklärungen den Verbotsschildern hinzuzufügen wäre kein großer Aufwand.

Schade ist in diesem Zusammenhang sicher, dass viele Häuser ein pauschales Fotografierverbot für die gesamte Sammlung aussprechen, obwohl nur einige Exponate von diesen Verboten aus konservatorischer Sicht profitieren.

 

Was können kulturelle Einrichtungen tun, um an Attraktivität zu gewinnen?


Die Möglichkeiten, die sich über die Digitalisierung – besonders über die Sozialen Netzwerke – für Institutionen ergeben sind immens und werden noch von viel zu wenigen Häusern aktiv genutzt und bei weitem nicht ausgeschöpft.

Ganz anders das Schloss Bruchsal mit seiner Ausstellung “#participate – mach dich zum Kunstwerk.”. Entwickelt wurde hier ein Besucher integrierendes Konzept, in dem es ausdrücklich erwünscht ist, selbst aktiv zu werden und Bilder zu machen. Eine ganz großartige Idee, wie wir finden. Wer wollte denn nicht schon immer Leonardo Da Vincis Mona Lisa einen Schnurrbart malen oder mit Edgar Degas’ Tänzerinnen an der Ballettstange für ein Foto posieren?

 

Interaktive Ausstellungen – reicht das?


Nicht nur die zuvor erwähnten Strategiewechsel, sondern auch kooperative Städte oder gar Länder übergreifende Veranstaltungen, wie Lange Nächte der Museen, das Wochenende der Grafik oder der Museumstag wachsen mit der Zeit, werden immer attraktiver und mehren sich.

 Doch sollte der Besucher nicht vielmehr aktiv in die Entstehung von Ausstellungen und Veranstaltungen einbezogen werden? So wie es die Preisträger des “ZukunftsGut”s vor machen. Denn die persönliche Identifikation der Besucher mit Inhalten, an denen sie selbst mitgewirkt haben oder in deren Arrangement sie sich selbst einbringen konnten, kann auch zu einem gesteigerten Interesse an ähnlichen Inhalten führen.

Sicher ist es nach wie vor eine bedeutende Aufgabe der Kunstschaffenden und Kultur bewahrenden Institutionen, neue Wege der Kulturvermittlung zu beschreiten. Dabei die jungen Besucher Zuhause hinter ihren Bildschirmen abzuholen, trotzdem aber die Kunstliebhaber nicht zu vernachlässigen und mit Technik zu überfrachten, die die bewährte schlichte Präsentation von Kunst schätzen.

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